Ganztagsbetreuung mit Schuhkarton

von Achim Stommel

27.04.2021

Das Team des Ganztagsbetreuung 13plus kämpft gegen die zunehmende Überforderung und den Frust der Kinder. Manchmal reicht dafür schon ein Schuhkarton.


„Frau H. können Sie uns bei den Kunsthausaufgaben helfen?“ – eine Aussage, die gerade in Zeiten des Lockdowns und dem Homeschooling klar macht, dass nicht alle Eltern den Spagat zwischen Arbeiten und der Hilfe beim Homeschooling schaffen. Gerade in diesem Fall setzt die auch in einer solch schwierigen Phase immer noch aufrecht erhaltene Ganztagsbetreuung 13plus an und unterstützt die Kinder in verschiedensten Belangen.

Die Betreuung und auch die Hausaufgabehilfe findet, genau wie der Unterricht der Kinder, durch das Team des Evangelischen Jugendwerks Sieg • Rhein • Bonn, als Träger des Ganztags, online statt. Während der 13plus Zeiten können die Kinder freiwillig an dem Zoommeeting teilnehmen und sich je nach Bedarf mit den Betreuer*innen unterhalten, Onlinespiele spielen oder sich Unterstützung bei den Hausaufgaben holen.

Wenn es die Situation erfordert, können sich Einzelne auch in Präsenz mit einer Fachkraft des Jugendwerks nach Absprache verabreden, um gemeinsam Hausaufgaben zu machen oder ein Gespräch zu führen.

So kam es dazu, dass zwei Schülerinnen der Alexander-von-Humboldt Realschule eine Betreuerin fragten, ob sie nicht gemeinsam an dem Kunstprojekt arbeiten könnten, denn die Aufgabe aus einem Schuhkarton ein Modellauto zu bauen sei ihnen allein, ohne Hilfe, zu schwer.

Das die Kinder aktuell in der Bewältigung ihres Alltags Unterstützung brauchen, merkt man spätestens bei einem persönlichen Gespräch mit ihnen. Die Regression im Wortschatz bzw. im aktiven Sprachgebrauch der deutschen Sprache ist keine Seltenheit bei den Kindern, die zum Teil sozial benachteiligt sind oder Fluchtgeschichte haben. Es ist also kein Wunder, dass die Überforderung und der Frust der zu betreuenden Kinder wächst, wenn Schwierigkeiten bei dem Verständnis von Aufgaben oder Computerprogrammen auftreten.

Dem versuchen die Mitarbeiter*innen des Evangelischen Jugendwerks durch Aufgeschlossenheit gegenüber den alltäglichen Problemen der Kinder, aber auch durch Hilfestellungen zu begegnen. Den Betreuer*innen ist bewusst, dass sie nicht jedes Problem aus der Welt schaffen können. Doch manchmal ist auch der Weg das Ziel. So gilt das Kredo, jedes Mal wenn ein Kind seinen Alltag durch die Hilfe von 13plus erträglicher findet, ist dies auch ein Sieg für das 13plus Team gegen die ansteigende Überforderung und den Frust der Kinder. Und wenn dies durch den gemeinsamen Bau eines Modellautos aus Schuhkartons gelingt, dann ist ein wichtiger Schritt.

Mirco Luzak, Dualer Student beim Evangelischen Jugendwerk

Foto: Andrea Hoffmann, Pädagogische Ergänzungskraft im Ganztag