Grundinformation zur Entwicklung eines Institutionellen Rahmenschutzkonzeptes für die Kirchenkreise An Sieg und Rhein und Bonn und die angeschlossenen Kirchengemeinden

Die Kreissynodalvorstände der Kirchenkreise An Sieg und Rhein und des Kirchenkreises Bonn haben entschieden, einen gemeinsamen Projektauftrag zur Erarbeitung eines Institutionellen Rahmenschutzkonzeptes in den Kirchenkreisen zu formulieren.

Die wesentlichen Ziele unseres Institutionellen Rahmenschutzkonzeptes sind:

  • Entwicklung einer gemeinsamen Haltung der Achtsamkeit in den Gemeinden und Kirchenkreisen
  • Kinder und Jugendliche haben bei uns einen sicheren Ort und Eltern dabei ein gutes Gefühl
  • Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende kennen und „leben“ das Schutzkonzept
  • Jugendleiter*innen und Verantwortliche sind sensibilisiert und in den für sie relevanten Schritten der Intervention im Krisenfall geschult
  • Presbyterien und Kreissynodalvorstand tragen das Konzept aktiv mit.

Insgesamt soll das Rahmenschutzkonzept damit seine Signalwirkung in zwei Richtungen lenken: Zum einen sollen potentielle Täter*innen erfahren, dass in den Gemeinden und den Diensten/Einrichtungen der Kirchenkreise hin- und nicht weggeschaut wird. Zum anderen sollen sich Kinder und Jugendliche klar und sicher darüber sein, dass sie hier Ansprechpartner*innen finden.

1.     Ausgangslage und Motivation

Mit dem Inkrafttreten des Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetzes (KICK) zum 01. Oktober 2005 traf der Gesetzgeber Regelungen zur Verbesserung des Schutzes von Kindern und Jugendlichen. Mit dem nunmehr gültigen § 8a SGB VIII „Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung“ erlangte der Schutz junger Menschen durch die staatliche Gemeinschaft (Jugendamt, Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Familiengericht, Polizei usw.) generell eine deutliche politische und fachliche Aufwertung.

In der Evangelischen Jugend und in den Verbänden eigener Prägung werden Angebote für Kinder und Jugendliche nicht nur von hauptamtlich Tätigen, sondern auch zu einem großen Teil von Ehrenamtlichen verantwortet. Um Kinder und Jugendliche überall dort, wo sie sich aufhalten, vor Grenzüberschreitung schützen zu können, muss man wissen, wie.

Jede und jeder Einzelne in der Gesellschaft soll sich mit dem Thema auseinandersetzen und aktiv dazu beitragen, sichere Räume für Mädchen und Jungen zu schaffen. Gerade Einrichtungen oder Organisationen, denen Kinder und Jugendliche anvertraut sind, müssen wissen, wie wirksamer Kinderschutz umgesetzt werden kann. Sie sollten sich folgende Fragen stellen:

  • Welche Strategien setzen Täter und Täterinnen ein, um sexuelle Gewalt zu planen und zu verüben?
  • Welche Gegebenheiten könnte ein Täter oder eine Täterin in unserer Einrichtung bzw. in unserer Organisation ausnutzen?
  • An wen wende ich mich im Falle eines Verdachts? Wie sieht ein Umgang mit Mädchen und Jungen aus, der ihre individuellen Grenzen achtet?
  • Wie gewinne ich Handlungssicherheit?


All diese Fragen zu beantworten hilft den Mitarbeitenden vor Ort, sich sicherer zu fühlen und unterstützt ein zielgerichtetes Handeln im Falle eines Falles.

Ein Schutzkonzept dient der Beantwortung all dieser und weiterer Fragen und bezieht auch den Umgang mit digitalen Medien ein, da Kinder und Jugendliche nicht zwischen online- und offline-Welt trennen. Ein Schutzkonzept hilft beispielsweise Schulen, Kindertagesstätten, Kirchengemeinden oder Kinder- und Jugendreisen zu Erfahrungsräumen und Orten zu werden, an denen Kinder und Jugendliche wirksam vor sexueller Gewalt geschützt sind. Zugleich sollten sie Orte sein, wo Mädchen und Jungen kompetente Ansprechpersonen finden, die zuhören und helfen können, wenn ihnen dort oder andernorts – beispielsweise im familiären Umfeld – sexuelle Gewalt angetan wird. Ein Schutzkonzept gibt Missbrauch keinen Raum.

Deshalb kommt es darauf an, Mitarbeitende für die Wahrnehmung und erste Einschätzungen von möglichen Kindeswohlgefährdungen zu sensibilisieren und zu qualifizieren.

Dazu gehören vor allem folgende Fragestellungen:

  • Was können und müssen Kirchengemeinden, Kirchenkreise, Jugenddienste und Jugendverbände tun, damit Kindesschutz und Kindeswohl in der kirchlichen Arbeit durch alle beruflich und ehrenamtlich Tätigen beachtet wird?
  • Welche Anzeichen für Kindeswohlgefährdung und welche gesetzlichen Grundlagen gibt es?
  • Welche Maßnahmen, welche Aktionsformen, welche Angebote sind hilfreich, um Ehrenamtliche und beruflich Tätige in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu sensibilisieren und zu qualifizieren?

2.     Der Weg zum Institutionellen Rahmenschutzkonzept (IRSK)

In einem ersten Schritt entwickelt eine einberufene Arbeitsgruppe der beiden Kirchenkreis „Rahmenkonzept“. Dies dient als Grundlage zur Umsetzung für die Gemeinden und weiteren Dienste/Einrichtungen. Damit erhalten die Gemeinden eine Grundlage zur Entwicklung eines eigenen Schutzkonzeptes:

  • Die Gemeinden können damit individuell und selbständig arbeiten
  • Bestandteil des Rahmenschutzkonzeptes ist eine organisierte und strukturierte Begleitung durch das gemeinsame Jugendreferat sowie ein umfassendes Fort- und Weiterbildungsangebot für alle am Prozess Beteiligten

3. Mindeststandards

In jedem Fall soll das Endergebnis des Institutionellen Rahmenschutzkonzeptes folgende drei Punkte enthalten (Mindeststandards):

Informieren, Sensibilisieren und Aufklären 

Dies beinhaltet einen Standard oder ein Leitbild (z. B. Verhaltenskodex oder Selbstverpflichtungserklärung) zum Umgang mit (sexueller) Gewalt und zum Umgang mit jungen Menschen und junger Menschen untereinander.

Qualifizieren

Das Thema Kindeswohl und Prävention wird auf Mitarbeitendenschulungen regelmäßig und in ausreichender Tiefe behandelt. Wir weisen in diesem Zusammenhang auch auf die Ergänzung der Juleica-Qualitätsstandards hin, wie sie von der Jugendministerkonferenz im vergangenen Jahr beschlossen wurde

Strukturelle Absicherung und Krisenmanagement

Es sind Ansprechpartner*innen oder Vertrauenspersonen sowie besonders geeignete Fachkräfte (i. S. d. § 8a SGB VIII) bekannt. Außerdem besteht ein einheitlicher Kriseninterventionsplan, der alle Handlungsschritte im Notfall definiert.

 

Die Entwicklung des Institutionellen Rahmenschutzkonzeptes wird durch das Jugendreferat koordiniert. Für Fragen und/oder weitere Informationen stehen Ihnen die zuständigen Mitarbeitenden des Referates gerne zur Verfügung: 0 22 41 - 25 601 10 oder unter achtgeben@evaju.de.